Die 3 Säulen eines natürlichen Bewegungstrainings

Vielleicht ist Descartes ein wenig an daran Schuld was heute so in konventionellen Fitnessstudios passiert.
Vielleicht ist es das Ergebnis von der “Ich denke, also bin ich” Herangehensweise, welche heute die Philosophie des Westens zu sein scheint.
Eine Philosophie, die das Denken und die geistige Arbeit als sehr hoch einstuft und die körperliche eher als Nebenprodukt ansieht, um die Kopfgesellschaft am Laufen zu halten. Nicht ohne Grund sind die Top-Verdiener in unserer Gesellschaft die Zahlenschieber und nicht die welche direkt Physisches erschaffen.
Vielleicht ist es deswegen heute so, dass man geistig arbeitet und dann rein körperlich trainiert.
Wenn wir uns die Entstehungsgeschichte der Menschheit angucken, können wir relativ sicher davon ausgehen, dass die enorme Gehirnkapazität des Menschen nicht durch Sudokus entstanden ist oder durch ein “IQ-App” auf dem iPhone, sondern eher Tätigkeiten wie das Jagen etc. Gerade das Spurenlesen, welches grundlegend für prähistorische Jagdformen ist, kann wohl als eine der ersten Wissenschaften bezeichnet werden. Eine Fähigkeit, welche auf der Körperlichkeit des Folgens, Nachahmens und Sehens beruht, jedoch den Geist Bilder zusammensetzen lässt und daraus Schlüsse erstellt.
Körper und Geist sind Verbunden in Interaktion mit der Welt.

Magneto hebt Hanteln mit seinem Geist. Ein hohes Ziel unserer Gesellschaft?

Eine holistische Herangehensweise
Konventionelle Fitness bezieht sich auf den Komponenten Körper. Ein reduzierender Blickwinkel, welcher realen Situationen und der Herkunft des Menschen nicht gerecht werden kann. Die Grundlagen des Überlebens “Wasser, Feuer, Unterkunft, Nahrung” sind alle nur zu sichern, wenn Körper und Geist zusammenarbeiten und mit der Welt interagieren. Das ist ein No-Brainer. Eine Hütte ohne jegliche geistige Arbeit, ohne jegliches Nachdenken herzustellen, ist nicht möglich, für Materialien und Bauplatz muss aktiv mit der Welt interagiert werden, der Körper baut, solange wir nicht über telekinetische Fähigkeiten verfügen. Dass eine gewisse geistige Vorarbeit, sowie entsprechende körperliche Fähigkeiten, nötig sind, damit ein Haus auch stehen bleibt, haben wir bei zwei der drei kleinen Schweinchen gesehen.

Welt

Die Komponente Welt steht für:
- Berühren
- Sehen
- Hören
- Spüren
- Anpassen/Interagieren
- Hingabe

Als Teil dieser Welt ist eine Interaktion mit eben dieser von entscheidender Wichtigkeit für unsere Gesundheit. Wind und Wetter, Licht und Laute sind “Drinnen” ausgemerzt. Da Temperaturen und Beleuchtung künstlich erstellt, natürliche Laute gehemmt, sowie Wind, Regen etc. verbannt wurden. All diese Faktoren können leicht wieder zu uns gerufen werden, wenn wir unser Training draußen stattfinden lassen. Moderne Fitnesstrends gehen immer mehr in die Richtung “Outdoorsport” und inzwischen gibt es selbst im verschlafenen Deutschland “Bootcamp”-Angebote, bei denen die Teilnehmer draußen ihr Training durchführen.
Doch was fehlt noch, wenn die Liegestütze nun auf dem Rasen des Parks durchgeführt werden?
Wirkliche Interaktion. Das Anpassen an die Umgebung. Bewegungen, die der Umwelt gerecht werden, die Hingabe an das Umgebende.
Wichtige Komponente eines natürlichen Bewegungstrainings ist es, die Umgebung wirklich zu nutzen. Deswegen bringen wir normalerweise nichts mit zum Training. Alles ist da.

Der Blick
Um die Umgebung nutzen zu können, braucht es “den Blick”. Die Fähigkeit Teile und Dinge der Umgebung als Objekte zu erkennen an denen oder mit denen man bestimmte Bewegungen ausführen kann. Grundlage für diese Fertigkeit ist Imagination. “Der Blick” erweitert sich mit den Fertigkeiten.
Wichtig ist hier zu verstehen, dass wir von Interaktion sprechen, wenn die Bewegung von der Umgebung klar beeinflusst wird.
Damit meine ich Folgendes:
Springen auf einer Straße ist erst einmal in diesem Sinne interaktionsfrei.
Wenn ich nun jedoch vom Bordstein zum Mittelstreifen springe, interagiere ich, da die Umgebung meine Bewegung beeinflusst: Sie gibt mir nun Start und Landepunkt fest vor. Dabei ist es erst einmal unwichtig, ob die Umgebung künstlich erschaffen wurde, wichtig ist nur, dass sie nicht für den Zweck erschaffen wurde, für den wir sie benutzen, dass wir uns also anpassen und mit der Umgebung in einen Dialog treten.

Ist der Gang ins Fitnessstudio zumeist nur extrinsisch motiviert und auf Belohnung aus?

Geist

Was macht unser Geist beim Laufen auf dem Laufband? Beim Drücken in der Beinpresse? Meist nicht viel. Vielleicht über den nächsten Arbeitstag nachdenken, oder im Idealfall ist der Ausführende sogar im “Hier und Jetzt”, …und schaut sich das andere Geschlecht im Studio an, während sein Geist die ganze Palette seiner Vorstellungskraft entfaltet.
“Welt” und “Geist” sind sehr eng verbunden in Bewegung, da der Geist das Architektenbüro für bewusste Anpassungsprozesse ist. Wenn wir uns nun in der “Welt” dialoghaft bewegen und vor “Probleme” gestellt sind, leistet unser Geist aktive Denkarbeit. Am stärksten nimmt man dies wohl in “Trial & Error”-Situationen war. Wenn wir eine Bewegung erst einmal nicht schaffen und wir uns bewusst damit auseinandersetzen, wie man das Problem lösen könnte. Umso komplexer Bewegung ist und je mehr wir in unbekannte Territorien der Anpassung vordringen desto stärker wird unser Geist beschäftigt sein.
Ein weiterer Faktor, der unseren Geist mit in das Training holt, ist die Angst und das Überwinden dieser.
Komplexe Bewegungen, welche in Interaktion mit der Umgebung entstehen, beinhalten zumeist ein gewisses Potenzial, sich zu verletzen und auch wenn dieses Potenzial vielleicht sehr niedrig ist, wird der Mensch oft bei ungewohnten Situationen von Angst überwältigt. Das Überwinden dieser Ängste und das bewusste Arbeiten damit ist ein umfassender geistiger Prozess.
Angst ist ein sehr wichtiges Element, welches heute im Training meistens vernachlässigt wird, auch weil es nur recht schwer ohne “Welt” oder zumindest eine Einwirkung von außen entstehen kann. Auch dass Bewegungen zu meist keine Komplexität aufweisen, sorgt dafür, dass das Auseinandersetzen mit der Angst kein Teil eines konventionellen Trainings ist. Das Problem daran ist, dass reale Probleme Angst involvieren und eine Kenntnis, sowie geschulte Überwindungsfähigkeit dieser grundlegend ist, um nicht vor körperlichen Problemen davon zu laufen.

Manchmal muss man einfach mutig sein, um die Probleme des Lebens zu lösen.

Mut
Die Interaktion mit der Umgebung, das Lösen von “Bewegungsproblemen” und das Überwinden von Ängsten gibt dem Teilnehmer ein Gefühl von Kompetenz. Er kann sich bewegen, er kann sich anpassen, Ziele erreichen.
Es entsteht Mut.
Unsere Gesellschaft ist oft geprägt durch Angst vor vielerlei. Unsere Nachrichten basieren zu einem großen Teil darauf, genau wie die Werbung, welche uns klar macht, dass es Dinge gibt, die wir nicht haben, aber die wir brauchen. Unser Schulsystem ist davon befallen, wo es wichtig ist, möglichst gut abzuschneiden, damit man etwas erreichen kann und unsere Arbeitswelt ist dadurch zusammengehalten, weil sich Mitarbeiter aufgrund von Existenzängsten versklaven lassen.
Ich sehe im Training “Natürlicher Bewegung” ein so großes Potenzial, weil es Menschen ein Gefühl geben kann, dass Dinge erreichbar und möglich sind, sowie das Sie Teil einer großen Welt sind. Es kann Menschen mutiger machen.

Ein natürliches Bewegungstraining besteht aus den eng verwachsenen Säulen Körper, Geist und Welt.

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