Natur-Pfade
Trainingsfoki

Gehen, Laufen, Springen, Klettern, Bewegen auf allen Vieren, Heben, Tragen, Werfen, Fangen, Balancieren, Kämpfen, Schwimmen… Der Mensch hat eine horrende Bandbreite an Bewegungskompetenzen und wenn man sich diese im Detail anguckt, kann man sich von den unbrenzten Möglichkeiten und Variationen direkt erschlagen fühlen.
Der Wille sich in all diesen Bewegungsfertigkeiten zu verbessern und Sicherheit in der Ausführung zu gewinnen, stellt einen vor die Frage: Wie trainiere ich das alles überhaupt, wenn ich dazu auch noch eine Familie habe, arbeiten gehe und irgendwann auch noch schlafen muss?

Ich möchte erst einmal zwei grundlegende Herangehensweisen unterscheiden:
Der opportunistische Weg
Dieser Weg ist gerade bei Beginn eines solchen Trainings, beim Betreten des Wunderlandes natürlicher Bewegung, zumeist die intuitive Art, nach der man trainiert. Im Grunde beschreibt sie die Methode einfach zu einem Ort zu gehen, an dem man trainieren möchte, wie zum Beispiel ein Stadtpark, und sich von der Gegend inspirieren zu lassen. Man hat also vorher “keinen Plan” was man möchte, sondern ist offen für das was sich ergibt.
Der natürliche Drang zu lernen und neue Dinge auszuprobieren die man “cool” findet, sorgt zumeist dafür, dass solch ein Training anfänglich sehr ergiebig ist. Da man sich vom Trainingsort vorgeben lässt, was man trainiert, können die integrierten Bewegungskompetenzen durch das Wechseln des Ortes erweitert werden:
Wenn der Trainingsort etwa nur erlaubt zu klettern und zu springen, kann ein anderer Trainingsort, an dem ich Heben & Tragen kann, das Training kompletter machen. Generell ergibt es gerade am Anfang Sinn an vielen verschiedenen Orten zu trainieren um viele verschiedene Bewegungen in sein Training zu integrieren und einen Blick dafür zu bekommen, wie man die Umgebung nutzen kann.

Der fokussierte Weg
Dieser Weg ist gerade für diejenigen, welche schon etwas länger trainieren oft sinnvoll, um sich weiterhin kontinuierlich zu verbessern. Ich unterscheide zwei Unterkategorien:
Akut Fokussiert
Man konzentriert sich für ein einziges oder eine handvoll Trainings auf bestimmte Dinge, etwa einen bestimmten Sprung oder eine Strecke die man sprintet etc. Wie mathematisch man hier vorgeht ist im Grunde von den eigenen Präferenzen bestimmt, mir reicht es normalerweise einfach, dass ich mir vornehme eine bestimmte Sache zu wiederholen, ohne dass ich zähle oder die Uhr tickt. Oft kann es jedoch auch Sinn ergeben sich eine bestimmte Zahl vorzugeben, etwa 50 Mal aus dem Hängen in den Stütz zu kommen etc.
Periodisierend
Man setzt sich einen bestimmten Trainingsfokus für eine längere Zeit. Normalerweise ergibt ein Zyklus von 4-8 Wochen Sinn, in welchem eine bestimmte Sache fokussiert wird. Vielleicht möchte man seine Kletterfähigkeiten verbessern und wenn man genauer werden möchte seine Kletterfähigkeiten an Felsen. Durch das konzentrierte Arbeiten an dieser Fähigkeit kann man diese, auch wenn schon lange Zeit trainiert wird, gezielt verbessern.
Bei beiden Wegen sollte folgendes beachtet werden:
- Qualität vor Quantität
Beim fokussierten Arbeiten an Techniken ist die Grundlage, um sich wirklich in der Ausführung zu verbessern, dass man sehr genau mit sich selbst ist und Wahrnehmung für das bekommt, was man tut. Eine Bewegung einfach irgendwie 100 Mal auszuführen, bringt einem weniger bei als eine Bewegung konzentriert 20 Mal auszuführen. Hier besteht sonst die Gefahr, dass man sich ineffiziente und potenziell verletzungsreiche Bewegungen aneignet.
- Umfassend bleiben
Auch wenn der Schwerpunkt auf der fokussierten Technik liegt, sollte man trotzdem versuchen innerhalb einer bestimmten Zeit auch die anderen Bewegungskompetenzen angesprochen zu haben. Je nachdem wieviel Zeit man in das Training investiert, schlage ich vor innerhalb von 2 bis 4 Wochen sich mit allen Bewegungskompetenzen mindestens einmal beschäftigt zu haben.
- Trainiere was du nicht kannst
Ich zitiere hier einfach Vic Verdier: “If you’re good at running, don’t run, if you’re good at swimming, don’t swim…”
Es ist am sinnvollsten gezielt die Bewegungskompetenzen zu trainieren, in denen ihr weniger sicher seid als in anderen.

Welcher Weg ist für mich?
Generell sollte kein Weg dauerhaft auf Kosten des anderen gehen, da jeder seine Vorteile birgt. Durch das opportunistische Training entdeckt man oft neue Bewegungen und Möglichkeiten in einer Umgebung, während man sich durch das fokussierte Training gezielt in bestimmten Dingen verbessern kann. Gerade wenn man selbst schon viel Erfahrung mit praktischen Bewegungen hat ist der periodisierende, fokussierte Weg ein extrem hilfreiches Instrument, um weiterhin merkliche Fortschritte zu machen.

Die Schleife

In letzter Zeit spreche ich in meinen Trainings oft von der “Schleife”:
Die Schleife ist die Situation in die man immer wieder rein fällt, wenn man eigentlich etwas tun will, was nicht innerhalb der eigenen Komfortzone liegt. Man schiebt Dinge vor sich her und irgendwann ist man in der Schleife, wo man Dinge ewig vor sich her schiebt und nie tut. Man ist gefangen. Die Schleife begegnet uns überall, ob im eigenen Haushalt, im Beruf, beim Training oder in Beziehungen mit anderen Menschen.
Die Schleife wird dadurch erzeugt, das wir etwas eigentlich tun wollen oder sollten, aber nicht wirklich müssen. Sie arbeitet eng mit der Komfortzone zusammen, zwei teuflische Schwestern die für Trägheit sorgen.
Das ständige Aufschieben des Abwaschs, das warten mit der Suche nach einem anderen Job, das herumtrainieren um eine nicht auskurierte Verletzung, all dies sind Anzeichen für die Schleife.

Die Scheife  und Bewegung:
Das trainieren von Bewegung ist eine favorisierte Brutstätte der Schleife. Ein Paradies.
Beispiele kann ich viele aufzählen:
- Menschen die nur eine Bewegungskompetenz trainieren. Etwa ein Läufer, der eigentlich auch gerne mal Klettern gehen würde, aber dann immer wieder davon abgehalten wird, da er sich beim Laufen so wohl fühlt und Angst hat, er hätte beim Klettern im Gegensatz dazu ein Gefühl der Unwohlheit aufgrund seines Anfängerdaseins in dieser Disziplin.
- Menschen die eine Verletzung haben und sich Stiefmütterlich mit ihrer Rehabilitation beschäftigen. Davon kenne ich eine ganze Menge. Die Leute verlassen sich auf die Wunderheilkräfte ihres Körpers und paaren dies mit ihrer Ungeduld, wodurch sie aus Akuten Verletzungen chronische Überlastungen erzeugen. Anstatt den eigenen Körper mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen, fordern sie durch ihr unangepasstes Training viel zu viel von ihm ab. Zumeist nehmen sich diese Menschen vor, an der Verletzung zu arbeiten, irgendwann…
- Menschen die an ihrer Technik feilen müssten, aber dafür ihr Training nicht anpassen. Das beste Beispiel hierfür sind wohl Läufer, welche zwar alles Handwerkszeug zum Laufen in die Hand bekommen haben, aber anstatt ihre miserable Technik zu verbessern, anstatt Maßnahmen zu ergreifen und ihr Trainingsvolumen runterzuschrauben, ackern sie genau so viele Kilometer ab wie davor. Möglicherweise versuchen sie dann noch zusätzlich an ihrer Technik zu feilen, Überlastungen sind die folge. Oder sie warten bis nach dem nächsten Wettkampf, oder den Wettkampf danach, oder danach…
- etc. etc.

Oft kommt man nur aus der Schleife heraus, wenn es unmöglich mehr anders geht, wenn man quasi aus der Schleife herauskatapultiert wird. Was sind eure Erfahrungen mit der Schleife? Wie kommt ihr aus ihr heraus? Wo tritt sie eurer Meinung nach besonders auf?

Mein bester Schlaf

Dass guter Schlaf essenziell ist, um den Tag zu pflücken, ist wahrscheinlich jedem klar.
Doch was sind die Kriterien von gutem Schlaf?
Universelle Hinweise sind absolute Dunkelheit, 8 Stunden Länge und Stille. Dazu ein nur leichtes Abendbrot, keine Bestrahlung mit blauem Licht vor dem Schlafengehen etc.

Meine eigenen Kriterien die mir besten Schlaf bescheren sind da vielleicht etwas unkonventionell.
Ich schlafe draußen. Besser gesagt draußen im Garten meiner Familie. Einem Grundstück am Rande von Berlin zu dem ich mindestens einmal pro Woche hinfahre, um dort die Nacht zu verbringen.

Habe ich dort absolute Dunkelheit?
Nein. Die nahen Straßenlaternen strahlen die ganze Nacht unablässig in den Garten. Es gibt keine Ecke, in der ich mich dort dem Licht der Laternen entziehen kann.

Schlafe ich 8 Stunden durch?
Nein. Denn viele verschiedene Ereignisse wecken mich nachts immer wieder auf. Zum Beispiel die Katze, einsetzender Regen oder ein Lastwagen auf der Straße. Stille habe ich ganz sicher auch nicht: 200 Meter entfernt befindet sich eine Güterzugstrecke, welche auch nachts von Zügen frequentiert wird. Oft halten diese sogar genau an dieser Stelle an und erzeugen ein ohrenbetäubendes Quietschen. Das Donnern der über mehreren hundert Meter langen Güterzüge lässt mich regelmäßig hochschrecken.
Meiner Großmutter zufolge ist meine Mutter als junges Mädchen durch das Pfeifen der dampfablassenden Lokomotiven dort im Garten auch mehrmals in Ohnmacht gefallen.

Auch ein leichtes Abendbrot ist nicht meine Stärke, oft schlage ich mir noch nach 22:00 den Bauch voll. Die Folge davon, dass ich oft erst nach 20:00 mit dem Coachen fertig bin.

Warum schlafe ich dort also so gut?

Auch wenn Straßenlaternen und Güterzüge etwas anderes vermuten lassen könnten, bin ich dort dem natürlichen Tagenachtrhytmus unterworfen. Zwar entziehe ich mich oft dem Beginn der Nacht und lege mich erst gegen 24:00 raus in meinen Schlafsack, jedoch kann ich mich dem Beginn des Tages nicht entziehen. Das Einsetzen der zwitschernden Vögel, das Aufgehen der Sonne, die Wärme, die Morgenluft, all dies weckt mich auf und gibt mir neue Energie für den Tag. Ich bin dadurch mit der Umgebung verbunden, anders als wenn ich in irgendeinem Gebäude schlafe. Aus dem Schlafsack zu kriechen und halbnackt in einem Garten zu stehen, lässt einen den Morgen halt komplett anders wahrnehmen, als das morgendliche aus dem Bett fallen in einem stillen Raum, mit wenig noch lebenden Materialien und Sonnenlichteinfall.
Dazu kommt die ganze Nacht frischer Luft, im Gegensatz zur stehenden Luft in Gebäuden.
Ich schlafe draußen auf dem Rasen auch härter als auf einer Matratze und habe gemerkt, dass ich auf semi-weichen Untergründen wie Waldboden oder Gras besser schlafen kann, als auf weichen Matratzen. Auch die abkühlende Umgebungsluft nehme ich als sehr angenehm war und macht es mir leichter energetisch den Tag zu beginnen. Wärme macht träge.
Der wichtigste Faktor für mich ist aber warscheinlich ein anderer: Ich habe viele wichtige Kindheitstage in diesem Garten verbracht und ihn lieben gelernt. Er ist ein magischer Ort für mich, an dem ich Ruhe finden kann und der mir immer die Kraft gibt, mich schnell zu erholen.
Nachdem ich eine Nacht dort im Garten geschlafen habe, bin ich an dem folgenden Tag oft sehr produktiv und habe viel kreative Energie, welche sich oft in verschiedenen handwerklichen Arbeiten manifestiert.

Wie schlafe ich draußen?
Im Sommer einfach nur mit einem Schlafsack, welchen ich bei Nässe auf meinen Biwacksack lege, in den ich bei Regen reinkrieche. Jetzt im Winter habe ich zusätzlich eine ausrollbare und manchmal auch eine aufblasbare Isomatte unter meinem Schlafsack und benutze bei Schnee oder Regen eine große Plane, welche ich über einen Pfahl spanne. Ich schlafe nie in einem Zelt, da ich dort nicht die Umgebung und Sterne sehen kann und die Luft stickig wird. Ein Zelt ist im Grunde nichts Halbes und nichts Ganzes. Man ist nicht wirklich drinnen, aber draußen ist man eigentlich auch nicht.

Mein bester Schlaf findet draußen statt und an einem besonderen Ort. Habt ihr einen Ort an dem ihr euren erholsamsten Schlaf habt? Habt ihr Erfahrungen damit draußen zu schlafen? Was sind eure Wege um gut zu schlafen?

Primal Fitness in der Berliner Morgenpost!

Ein Artikel über unser Angebot “Primal Fitness” ist diesen Sonntag in der Berliner Morgenpost erschienen.
Mein einziger Kritikpunkt ist die Überschrift “Auf die Knie!” die annehmen lässt unser Primal Fitness Training hätte etwas mit amerikanischen Bootcamps gemein, dem ist mitnichten so! Unsere Philosophie beherbergt den Gedanken an Freiheit und der Selbstverwirklichung des Menschen und steht im krassen Gegensatz zu jeglicher Bootcamp mentalität.

Ihr wollt Primal Fitness selbst erleben? Dann ist jetzt der beste Zeitpunkt dafür, denn den ganzen Monat Februar, könnt ihr das Training für 2 Wochen kostenlos ausprobieren!

Was Teilnehmer über das Training sagen:

“Very fun experience! This is definitely something everyone who grew up playing with things (+ outside) should check out at least once!”
Lutz V.

“Joseph is a super nice guy who knows what he is talking about. The workout is intense but doable. I am not sure if it is a beginners workout. some level of fitness is required i believe.
all in all a great experience and a challenging and enjoyable take on working out. i´ll do it again !”
Marcel S.

“This activity was a very interesting experience and I’d recommend anyone to try it out. There were both girls and guys participating, which made it a very pleasant group of people with very little macho stuff going on. Definitely bring old (and in the winter warm) clothes because you’ll be crawling, squatting, jumping, climbing and doing all kinds of really interesting exercises that give you a different perspective on your body.

Joseph will also take you aside and do a simple ‘mobility assessment’ with you. In 5 minutes he can probably
tell you more about your physical state then you would have learned by going to the gym for a year.”
Floris D.

“I have trained internationally under a number of different instructors from a wide range of disciplines. From parkour to methode naturelle, cross-fit to Jujitsu, mountain biking to SCUBA and a range of things in between, this testimonial comes from an informed perspective. What has impressed me most about Joseph’s primal fitness training is the measured and disciplined approach to his regime. His focus on useful movement whilst maintaining correct form and posture ensures injury-free improvement in your physical well-being that is readily sustained. The movements he teaches engage your entire musculature leading to a functional strength far greater than what you could achieve grinding away at the gym. In addition to training your body, the combination training that Joseph employs will also engage your mind ensuring that the training, whilst strenuous, is always interesting and entertaining. I believe that exercise should be both fun and engaging for it to be sustainable. Primal fitness is both. It is a more holistic approach to fitness, allowing you to employ what you have learnt in almost every aspect of your life.”
Markus Kerr

Um mehr über Primal Fitness zu erfahren und die Möglichkeit wahrzunehmen 2 Wochen kostenlos ins Training zu kommen, besucht unser Kursangebot auf der Seite von Primal Fitness: http://primalfitness.de/kurse und meldet euch an.

Wie ich meine Kleidung auswähle

Sich etwas zu kaufen ist für mich normalerweise nicht einfach nur eine “Bauchentscheidung”, sondern ein wohl überlegter, reflektierender Prozess. In unserer komplexen, vernetzten Welt, tut der Bauch sich leider oft schwer wirklich die richtige Entscheidung zu treffen, wenn es um mehr geht als das bloße Aussehen von Dingen, sondern ebenso um Nützlichkeit und einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck. Das Allerwichtigste bei der Auswahl der Dinge, die ich mir zulege ist die BEWUSSTE Entscheidung.
Wahrnehmung und Bewusstsein über das was man tut ist nicht nur wichtig in Bewegung, sondern ein Konzept welches sich auf alle Ebenen des Lebens übertragen lässt, ob Ernährung, den Umgang mit anderen Menschen oder das eigene Konsumverhalten.
Im Folgenden möchte ich exemplarisch meine Kriterien für den Kauf eines Kleidungsstücks auflisten und erläutern. Ich wende dieses Schema auf alle Kleidungsstücke an, egal ob T-Shirts, Pullover, Hosen, Socken oder Schuhe.

Meine Kriterien gelistet nach Priorität:

- Performance
Hohe Performance ist der wichtigste Punkt für mich, beim Kauf eines Kleidungsstücks. Meine Ansprüche sind folgendermaßen unterteilt
Nachhaltigkeit
Kann ich dieses Produkt tendenziell mein ganzes Leben benutzen?
Nützlichkeit für Primärnutzung
Ich beschreibe diesen Punkt am Beispiel einer Regenjacke. Ich stelle mir folgende Fragen: Wie gut hält die Regenjacke Wasser ab? Wie gut, wenn es monsunartig regnet, wenn ich die Jacke also wirklich brauche? Wie gut kann ich mich in der Jacke bewegen? Kann ich klettern, springen etc. ohne, dass sie mich behindert? Ist das Material robust genug, dass mir die Jacke nicht beim Klettern am Felsen kaputt geht? Wie atmungsaktiv ist die Jacke, wenn ich viel schwitze?
  Universelle Nützlichkeit
Kann ich das T-Shirt im Alltag immer tragen, oder spricht etwas dagegen? Kann ich mit der Arbeitshose auch Springen und mich auf allen Vieren bewegen? Kann ich mit ihr auch ins Theater gehen? Kann ich sie bei Regen, Hitze, Schnee, drinnen und draußen tragen?
Material
Den Punkt Material teile ich in drei Teile:
1. Verarbeitung: Wie qualitativ ist die Verarbeitung? Gibt es Nähte die so ausehen, als würden sie aufgehen können? Sind die Materialien generell von hoher Qualität? Wurde irgendwo eine billigere Variante benutzt?
2. Pflegebedarf: Muss nachimprägniert werden? Kann ich das Kleidungsstück einfach mit beliebigen Kleidungsstücken in die Waschmaschine werfen oder braucht es einen gesonderten Waschgang? Muss man den Stoff oft Waschen weil er anfängt zu riechen? Besonders Letzteres ist für mich inzwischen einer der wichtigsten Punkte: Ein Kleidungsstück, welches man lange tragen kann ohne dass es anfängt zu stinken oder sich mit Dreck vollzusaugen, ersetzt mehrere Kleidungsstücke der gleichen Art.
3. Haltbarkeit: Wie robust ist der Stoff? Ist das Kleidungsstück generell für eine lange Lebensdauer geschaffen? Gibt es     Sollbruchstellen?
Tragekomfort
Fühlt sich das Kleidungsstück auf Dauer nicht angenehm an, wird man über kurz oder lang aufhören es zu tragen. Ökologisch wie finanziell wäre dies keine sinnvolle Investition. Wie ist das Tragegefühl bei Hitze? Bei Nässe? Bei Kälte?
Wichtigkeit
Brauche ich dieses Kleidungsstück überhaupt? Habe ich wirklich Anwendung dafür? Wenn du im Laden stehst, weil es für dich unmöglich ist, es weiter ohne so ein Stück auszuhalten, ist dies ein guter Punkt. Wenn du schon eine gute Regenjacke hast, macht es keinen Sinn noch eine zu kaufen.

- Ökologie und Soziales
Performance dreht sich um die Person selbst. Ökologie dreht sich um die ganze Welt. Die immense Wichtigkeit dieses Punktes steht außer Frage.
Nachhaltigkeit
Ist dieses Produkt die Wahl mit der möglichst niedrigsten Belastung für Umwelt und Mensch? Ist der Kostenfaktor für Umwelt und Mensch kleiner als mein Nutzen?
Material
Gegliedert in zwei Punkte:
1. Wieviel Belastung hat dieses Material auf die Umwelt? Beispiel: Konventionell angebaute Baumwolle ist voll mit Pestiziden und verbraucht Unmengen an Wasser. Natur und Menschen werden bei ihrer Produktion vergiftet. Biobaumwolle hat eine sehr viel niedrigere Belastung.
2. Recyclingfähigkeit
Ist es möglich das Material zu recyclen? Bietet der Hersteller ein Recycling Programm an?
Umweltbedingungen
Werden Gifte bei der Produktion benutzt? Werden Landstriche verändert? Wird der Natur vielleicht sogar geholfen durch die Produktion? Wie weit muss das Material und das fertige Produkt reisen, bis es zu mir gelangt?
Arbeitsbedingungen
Bekommen die Arbeiter ein faires Gehalt? Findet die Produktion in Ländern mit einer Demokratie statt? Sind die Arbeiter Giften ausgesetzt? Haben die Arbeiter humane Arbeitszeiten? Dies sind nur grundlegende Fragen, weiterführend sind Fragen nach Renten, Urlaub, Sozialversicherung, Aufstiegsmöglichkeiten, Mutterschutz etc.
Ausgleichsprogramme
Jede Art der industriellen Produktion belastet die Umwelt. Hat der Hersteller Ausgleichsprogramme um seinen Abdruck auf die Umwelt wieder zu bereinigen?

- Aussehen
Nachhaltigkeit
Ist der Stil des Produkts zeitlos? Kann ich es voraussichtlich mein ganzes Leben tragen und mich gut darin fühlen?
Schönheit
Ist das Kleidungsstück schön? Fühle ich mich gut darin? Ist es mir wegen seines guten Aussehens ins Auge gesprungen?
Universalität
Kann ich das Produkt zu allen möglichen Anlässen anziehen? Egal ob ich ein Restaurant besuche oder eine Woche in die Wildnis gehe?

- Preis
Wertigkeit
Ist das Produkt den Preis wert, alle obigen Punkte mit einbezogen?

Alle diese Punkte spielen mit hinein in den großen Punkt Nachhaltigkeit, welcher Performance, Ökologie und Aussehen übergeordnet ist. Warum ist mir Performance wichtiger als Ökologie? Weil ich nur ein Produkt lange benutzen werde, welches seine Aufgabe gut macht. Eine Regenjacke kann noch so ökologisch nachhaltig produziert worden sein, wenn sie den Regen nicht abhält, wird sie bald ihr restliches Leben im Kleiderschrank verbringen. Gleiches zum Tragegefühl, wenn es unangenehm ist, das Kleidungsstück zu tragen, werde ich mir etwas anderes kaufen. Oder kann ich das Produkt nur für eine bestimmte Gelegenheit tragen? Dann muss ich mir noch zusätzliche Kleidungsstücke dieser Kategorie zulegen. Gleiches gilt, wenn wir auf den Pflegebedarf schauen. Ein Produkt was man nur per Hand waschen kann, wird weniger getragen werden. Nach Möglichkeit muss man das Produkt lange am Stück tragen und nur selten waschen. Schönheit ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt. Ein Kleidungsstück, welches mir nicht annähernd vom Aussehen gefällt, wird bald durch ein anderes ersetzt werden. Ebenfalls zur Universalität, wenn ich das Produkt zwar wunderschön finde, es aber nur auf einer Faschingsparty tragen kann, ist es vielleicht keine sinnvolle Investition. Der Punkt Preis ist bestimmt nur sehr geringfügig meine Kaufentscheidung. Nach meiner Erfahrung spart man Geld, wenn man mehr für ein Produkt ausgibt. Teurere Kleidungsstücke haben oft eine längere Lebensdauer, erfüllen besser die eigenen Ansprüche und sind universeller einsetzbar.  Man bleibt länger zufrieden und je länger man mit einem Produkt zufrieden ist, umso länger benutzt man es; ergo spart man Geld, indem man sich weniger kauft.
Und damit zum eigentlichen Ergebnis: Ziel meines Schemas ist es weniger zu konsumieren. Bewusstes Entscheiden heißt nachhaltiges Entscheiden, Nachhaltigkeit heißt weniger Verbrauchen. Deswegen steht Performance ganz oben: je länger wir etwas benutzen, umso weniger verbrauchen wir. Weniger Verbrauch bedeutet weniger Belastung für Umwelt und Menschen. Eine heilere Welt.

“Simplify, Simplifiy” – H. D. Thoreau

Zwei Firmen die eine Vorreiter Rolle spielen im Sinne von hoch funktioneller und ökologisch hergestellter Kleidung:
Patagonia
Klättermusen

Patagonias “Don’t buy this Jacket” Kampagne
8 Fragen an das Lieblingsunternehmen

Hast du eine bestimmte Vorgehensweise wenn du einkaufst? Was ist dir wichtig? Kannst du dich mit diesem Schema identifizieren? Kennst du bestimmte Hersteller, die dir in diese Richtung aufgefallen sind? Schreibe deine Gedanken als Kommentar!