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Der Verzicht auf elektrisches Licht

Vor etwa 3 Monaten hatten wir uns entschieden, ein 7-tägiges Experiment zu wagen:
Kein elektrisches Licht zu benutzen.
Der Gedanke daran schwebte uns schon lange vor und bereits in unserer alten Wohnung in der Berliner Innenstadt hatten wir etwas Derartiges versucht, waren jedoch gescheitert. Ich vermute das Scheitern des ersten Versuches lag an mehren Faktoren: Etwa die generell schlechte Ausleuchtung der Wohnung durch die Sonne, da es sich um eine Hinterhofwohnung im ersten Stock handelte. Weiterhin die Trennung von Küche und Wohnzimmer, wodurch mehr Kerzen erforderlich waren und schließlich das nicht Vorhandensein von brauchbaren Kerzen in dieser Wohnung zu diesem Zeitpunkt.
In unserem jetzigen Zuhause ist aus dem 7-tägigen Experiment jedoch inzwischen Gewohnheit geworden, denn wir sind nicht zum elektrischen Licht zurückgekehrt.
Die Voraussetzungen waren diesmal genau umgedreht zu davor: viel Licht in der Wohnung. Wohnküche. Viele Kerzen vorhanden die wir bei Verwandten kostenlos abgestaubt hatten (abgestaubt im wahrsten Sinne des Wortes). Dazu kommt, dass wir zur besten Jahreszeit für das Experiment begannen, da die Tage zu dem Zeitpunkt sehr lang waren.
Tag und Nacht ist ein lebenswichtiger Rhythmus für das Leben auf unserem Planeten. Alles ist daran angepasst.
Durch die Erfindung des elektrischen Lichtes war es uns Menschen nun möglich, den Tag unendlich zu verlängern und die Nacht quasi auf Knopfdruck auszuschalten. Auch wenn wir uns damit das Leben scheinbar vereinfachten und erleichtert haben, gehen mit dem elektrischen Licht doch einige Probleme einher.
Man kann wohl annehmen, dass das elektrische Licht uns Dinge wie Überstunden, Nachtschichten und Übermüdung gebracht hat. Durch die kraftvolle Ausleuchtung des elektrischen Lichtes sind wir plötzlich in der Annahme, dass es ja noch gar nicht Nacht ist, und zögern unseren Schlaf unnötig lange heraus. Das zu wenig Schlaf weiterführende Folgen wie etwa Energielosigkeit und erhöhtes Stressempfinden hat, ist so eingängig, dass es nicht weiter besprochen werden muss. Auch scheinen wir oft erst die Nacht auszuschalten und dann so lange in den Tag herein zu schlafen, dass wir nicht mal mehr den Morgen kennen.
Durch die Verzögerung der Nacht verwirren wir unseren Körper und geben ihm das Gefühl es wäre andauernd Sommer. T. S. Wiley und Dr. Bent Formby stellen hier die These auf, dass dadurch viele Verhaltensweise des Menschen beeinflusst werden. Etwa sind wir dazu veranlagt im Sommer viele Kohlenhydrate zu essen, da diese zu dem Zeitpunkt am einfachsten verfügbar sind und um im Winter etwas überschüssige Energie am Körper zu haben.
Wenn der Körper jetzt das ganze Jahr über denkt, dass es Sommer ist, sind zu lange Verhaltensweisen aktiv, die jeweils nur für eine kurze Zeitperiode bestimmt sind.

Zurück zum Experiment und warum wir drauf hängen geblieben sind, kein elektrisches Licht zu benutzen:
Durch das Kerzenlicht sind in unserer Wohnung plötzlich nur noch ganz bestimmte Punkte beleuchtet, etwa ein Buch, der Herd oder ein Schneidebrett. Dies ermöglicht sehr großen Fokus auf die aktuelle Aktivität. Wenn etwa nur das Buch wirklich beleuchtet ist, gibt es kaum etwas, was vom Lesen ablenken kann.
Im Gegensatz dazu leuchtet elektrisches Licht eine riesige Fläche aus und kommt uns nun viel zu grell und gewaltig vor. Auch ist die Farbe der Kerzenflamme eine angenehmere und gemütlichere als die der Glühbirne.
Generell hat der Verzicht auf das Drücken des Lichtschalters auch dafür gesorgt, dass wir früher schlafen gehen und der Abend wirklich in die Nacht ausklingen kann, mit langsamen Tätigkeiten wie dem Lesen, dem genüsslichem Essen oder dem Nichts tun. Am Abend ist nun Zeit zum Reflektieren anstatt zur Aktion.

Was sich manchmal als problematisch erweist, ist, wenn wir erst nach Sonnenuntergang zu Hause ankommen und dann noch große Aktionen, wie dem Kochen, bevorstehen. Durch das wenige Licht dauert kochen zum Beispiel länger und erfordert mehr Konzentration, weswegen wir in Ausnahmefällen hier manchmal unsere Glühbirnen benutzt haben. Auch für schnell Raumwechsel ist eine Kerze manchmal etwas mühselig, da man sich mit ihr nur langsam fortbewegen kann, wenn man sich nicht das flüssige Wachs über die Hand gießen möchte.

Um diese Problematik zu Umgehen habe ich vor einer Woche eine Petroleumlampe gekauft. Da nun die Tage kürzer werden, ergab es Sinn für uns, etwas zu haben, was etwas mehr Licht spendet und auch mobil ist.
Der große Vorteil an der Petroleumlampe ist es, dass es möglich ist, die Leuchtkraft zu regulieren und auch recht viel Licht herausbekommen kann, wenn man es braucht. Wobei es sich ja weiterhin um eine Flamme handelt, und sie nicht anders wirkt als eine große Kerze.
Wir verwenden nun also einen Mix aus Petroleumlampe und Kerzen. Damit sollten die Glühbirnen selbst im oben genannten Fall nicht mehr gebraucht werden.
Was noch auf meinem Plan steht, ist nach biologischeren alternativen zur Paraffinkerze zu suchen.

Ich hoffe ich konnte hiermit in dem einen oder anderen die Überlegung wecken, ein ähnliches Experiment zu starten. Unsere Lebensqualität hat es definitiv erhöht und das Wohlbefinden abends zuhause gesteigert.

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Natur-Pfade Podcast Folge 4

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Hier könnt ihr die 4. Folge unseres Podcasts herunterladen und anhören

Thema: Nachhaltige Mode
Zu Gast: Lars von “Grüne Wiese”

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Habt ihr Gedanken zum Thema? Ihr wollt etwas loswerden? Habt Fragen oder Themenwünsche? Schreibt es doch in die Kommentare!

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Fangen im Baum

Wir haben ein neues Video online gestellt, in welchem wir Fangen quasi in die 3. Dimension gebracht haben. Alles was ihr braucht ist ein ausladender Baum und ein paar offene Menschen. Viel Spaß!

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Der Störenfried

Achtung: Dieser Artikel ist tief aus dem Herzen heraus geschrieben, teilweise polemisch und mit schrecklich, schlimmen Wörtern verziert!

Zwölf Jahre war ich ein Gefangener.
Jeden Tag 8:15 (ich weiß, damit gehörte ich noch zu den Glücklichen) hieß es antreten.
Oft war ich zu spät und musste mich mit irgendeiner bescheuerten Ausrede dafür rechtfertigen. Manchmal musste ich dann auch eine Stunde vor der Tür stehen bleiben und hatte danach ein wunderbares Gespräch, warum ich denn heute wieder erst, zwei oder drei Minuten nach der Zeit gekommen wäre. Zu einem Zeitpunkt habe ich sogar Weckanrufe bekommen, Dankeschön!
Täglich legte ich morgens zwei Sprints ein. Einen bis zur Straßenbahn, einen von der Straßenbahn zur Schule (ja wir sprechen von Schulen, falls jemand noch auf dem Schlauch steht). Ich war gut in meinem Ziel täglich nicht mehr als 10 Sekunden vor Unterrichtsbeginn zu erscheinen.

Das Deutsche Grundgesetz verlautet im 2. Artikel:
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Ich bin mir zwar nicht sicher, was das Sittengesetz ist und wie die verfassungsmäßige Ordnung aussieht, und möchte es auch gar nicht wissen, jedoch weiß ich, dass mein Recht auf die freie Entfaltung meiner Persönlichkeit für 12 Jahre eingeschränkt wurde.
Ich war dort nicht freiwillig, ich habe es oft gehasst. Ich kann mich nicht entsinnen jemals gesagt zu haben ich wäre gerne in die Schule gegangen. Mit der Ausnahme, dass ich meine Mitgefangenen gerne gesehen habe, die in der gleichen Misere waren wie ich.
Noch allgemeiner gesprochen, habe ich mich auch nie irgendwo offiziell dazu entschieden, dass ich in irgendeiner Form Teil dieses Staates sein möchte und seine Gesetzgebung anerkenne, sondern wurde in ein System hineingeboren, welches versucht mein Leben weitgehend mitzubestimmen.
Okay, genug des anarchischen Gedankenguts, zurück zur Schule.

Ab einem gewissen Punkt habe ich mich gefühlt wie eine Pflanze, die in ein Beet gesteckt wurde, welches völlig überfüllt ist mit anderen Pflanzen und auf das wenig Licht scheint, weswegen alle Bewohner dieses Beets versuchen, sich gegenseitig das Licht abzugraben. Ich war in einem System mit lächerlichen Marionetten, denen ich niemals wirklich glauben konnte, dass sie ernst meinten, was sie mir erzählten, von wegen ich würde all dieses Zeug brauchen für mein späteres Leben und wie wichtig es doch alles ist.
Ich habe ein großes Problem mit Autorität. Ich akzeptiere niemanden als meinen Anführer, Lehrer oder Wegweiser, den ich nicht selbst ausgesucht habe. Ehrlich gesagt, glaube ich gar nicht, dass ich da in irgendeiner Weise eine Art Problem habe, sondern dass alle anderen Leute ein Problem haben, vor die sich jemand stellen kann, der sich als neuer Anführer ausgibt und sie küssen ihm die Füße.
Ich habe keinen meiner Lehrer selbst ausgewählt. Da ich in keinster Weise die Möglichkeit hatte Kurse zu- oder abzuwählen wie teilweise auf anderen Schulen üblich, kam bei mir nicht mal das kleinste Gefühl hoch, eine Wahl gehabt zu haben.
Aus dem Fenster zu gucken, mit dem Tischnachbar Witze zu machen oder mit dem Kopf auf dem Tisch liegen, produzierte in fast jeder Stunde mehr Dopamin als auf die kruden Symbole an der Tafel zu starren. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals in der Oberstufe noch Zuhause Hausaufgaben gemacht zu haben. Wie grenzenlos lebensfern ist es, von Jugendlichen, nach dem sie bereits 8 Stunden alten, uninspirierenden Leerkörpern zugehört haben, noch zu verlangen zuhause Aufgaben zu lösen.
Mein Name tauchte bis zum letzten Ende im Klassenbuch auf. In Sätzen wie “Joseph lies ein Buch”, “Joseph schläft” etc. Meine Mutter wurde von allen möglichen Lehrern telefonisch über mein Verhalten informiert, ich durfte die Lehrerkonferenz besuchen, hatte viele, wunderbare Gespräche mit meinen Klassenbetreuern (“Genius oder Clochard, Joseph?”), in denen ich meine Besserung beteuerte und immer schön mit dem Kopf genickt habe.
Ich war ein Störenfried.

“Wenn Joseph nicht gerade fehlte oder zu spät erschien, zeigte er kaum Mitarbeit im Unterricht. Meistens war er nicht vorbereitet und konnte auch auf Nachfragen nicht zeigen, dass er bei der Sache war. Vielmehr störte er mitunter den Ablauf der Stunde, indem er lautstark nicht sachdienliche oder gar destruktive Äußerungen von sich gab. Aber immer wenn er bewusst auf obiges Verhalten verzichtete, war er in der Lage, mit einem kurzen Blick auch schwierige, mathematische Sachverhalte zu durchschauen und perfekt anzuwenden. Ihm wäre eine sehr gute Leistung leicht möglich gewesen”, heißt es zum Matheunterricht in meinem Zeugnis der 11. Klasse.
Ich hatte niemals irgendwelche Lernschwierigkeiten etc., also Dinge, mit denen laute und störende Schüler oft assoziiert werden (was wohl auch daran liegt, dass es für Lehrer bequemer ist, das Problem darauf zu schieben), was ich hatte, war ein überschwänglicher Drang nach Freiheit und Erlebnis. Etwas was ich dort nicht fand.
Als ich mit 15 begann, draußen auf eigene Faust zu trainieren und mich zu bewegen, fand ich ein Haltepunkt, der so stark war, dass mir dadurch die Schule noch viel mehr wie der Hades vorkam, wo ich langsam vor mich hin verwesen sollte. Ich erinnere mich, wie ich einige Male nicht zur Schule gegangen bin, um mich draußen zu bewegen, da ich mein Leben sinnvoll gestalten wollte. Wie ich mich freute von Lehrern aus ihrem Unterricht geworfen worden zu sein, um die Zeit zu nutzen, indem ich in irgendeinem Baum die Natur genoss. Ich erinnere mich wie Lehrer sich mokierten darüber, dass ich andauernd barfuß zur Schule kam und wie ich schließlich zu meiner mündlichen Realschulprüfung nicht zugelassen wurde, weil ich keine Schuhe mit hatte, was die staatliche Prüferin zur Weißglut trieb. Ich habe vielleicht nie eine so große Wut in meinem Bauch gespürt wie an diesem Tag, als ich dort vor einem Menschen stand, der mir so bedeutungslos war, wie der Busfahrplan von Mombasa. Ein Mensch, welcher Macht auf mich ausüben konnte, weil ich mich in diesem Augenblick dem System gebeugt hatte und entschieden hatte, dass es doch gut wäre, einen Abschluss zu machen. Der es als Beleidigung ansah, dass ich keine Schuhe trug, dass ich einfach nur als Mensch gekommen war und nicht als guter, unterwürfiger Schüler, der dem Lehrer einen Apfel bringt und “Ja, Amen” sagt, wenn er gefragt wird, ob er sein Wesen und Kreativität dem Ruf bedeutungsloser Zahlen und höherem Ansehen opfern will. Ich war unbeschreiblich angewidert, welche Menschen in diesem System Macht haben und wie sie missbraucht wird.

“Joseph schien wenig Zugang zu finden zu Bildern und Skulpturen, seine seltenen, mündlichen Beiträge waren meist Äußerungen von Unverständnis und Missfallen”, heißt es zum Fach “Kunstbetrachtung” in meinem 11. Klasse Zeugnis.
Es tut mir leid, für meine Lehrer, dass ich keinen Zugang herbeizaubern konnte, zu Dingen, die mich nie interessierten. Es tut mir leid, dass ich nicht so tun kann, als würde mir eine Suppe schmecken, von der ich mich übergeben muss, zu der ich aber gezwungen werde, sie zu essen.
Es wird ja schließlich in Deutschland gegessen, was auf den Tisch kommt!
Warum ich nicht wie andere einfach “Toter Mann” im Strom gespielt habe, mich in der Ecke still hingesetzt habe und Interesse geheuchelt habe, wie so viele andere, welche still Qualen erleiden? Ganz einfach: Weil ich so nicht bin.
Das Schulsystem dieses Staates, versucht Menschen zu homogenisieren.
Warum wissen so viele junge Menschen nicht, was sie nach der Schule machen wollen? Weil ihnen keine Möglichkeit gegeben wurde, sich selbst zu entdecken, zu entfalten und herauszufinden, wo die eigene Leidenschaft steckt. Dafür ist in einem staatlichen Lehrplan, welcher darauf abzielt Wirtschaftswachstum zu generieren, kein Platz. Ich bin glücklich meine Leidenschaft bereits damals, abseits der Schule gefunden zu haben.
Und das sage ich als Waldorfschüler. Als jemand dem vergleichsweise viele Möglichkeiten in handwerklich-künstlerischen Unterrichten, Eurythmie und Theater gegeben wurden, sich selbst zu entdecken.
Auch wenn ich damals bei vielen handwerklichen Unterrichten oft ein Faulenzer war und die Ergebnisorientiertheit der Lehrer als Motivationsinhibator empfand, bin ich glücklich Einführung in Fähigkeiten erhalten zu haben, auf die ich heute zurückgreifen kann, wie dem Arbeiten mit Holz, dem Schneidern und andere praktische Fähigkeiten…
Auf einer normalen staatlichen Schule wäre ich ab einem gewissen Punkt wahrscheinlich einfach gestorben.

Ein Leben ohne Abitur
In einer Zeit, wo das Abitur als das grundlegendste aller Abschlüsse gilt, war es unverständlich für Lehrer, Verwandte und Freunde zu akzeptieren, dass ich mein 13. Schuljahr nicht machen würde, sondern in die Freiheit stürmte. Unzählige Leute haben mich vollgequatscht und mir erzählt, wie sinnvoll es doch wäre Abitur zu haben und es wäre doch “nur noch ein Jahr”. Ich kann mich an kaum jemanden erinnern, der wirklich Verständnis geäußert hätte, gegenüber meiner Entscheidung und eigentlich an niemanden der nicht ein “aber…” parat gehabt hätte. In welchen Zeiten leben wir, wo die Entscheidung eines Menschen, welche tief aus ihm heraus kommt und seinem Lebensdrang entwachsen ist, etwas ist, gegen das man Bedenken äußern sollte.
In der Schule wird kein “Mut” gelehrt.

Die Schürung der Furcht
So viele Menschen haben Gedanken der Angst zu manchen Themen, die sie mit der Schule verbinden. Manche haben durch die Schule Angst vor Matheprobleme bekommen, weil sie dort immer große Probleme hatten. Jemand anders hat vielleicht damals entschieden, dass Sport und Bewegen nichts für ihn ist, weil der Sportlehrer ein unfähiger Sack war.
Mir persönlich wurde durch meine ganze Schulzeit erzählt, dass mein Schriftbild unschön sei und, zumindest in der Unterstufe, dass ich nicht gut malen könnte. Gerade Letzteres war sehr tragisch für mich, da ich als Kind immer absolut geliebt habe zu malen.
Bezeichnend dazu, was meine Kunstlehrerin in meinem Zeugnissen beim Fach “Malen” geschrieben hat:

“Joseph hat in diesem Schuljahr einen entscheidenden Schritte getan: Es hat ihm zum ersten Mal etwas Spaß gemacht und er hat es sogar geäußert! Auch wenn Joseph immer wieder in die vertraute Rolle schlüpfte und sich mit anderen Dingen beschäftigte, lies er erstmalig durchaus vorhandene Fähigkeiten erkennen. Ich hoffe sehr, dass Joseph in Zukunft weiter bemüht sein wird, sich auf gestellte Aufgaben einzulassen.” Aus dem Zeugnis der 9. Klasse, dieses zeigt auch sehr gut die Verzweiflung meiner Kunstlehrerin, welche arge Probleme damit hatte mich dazu zu Bewegen in irgendeiner Form per Stift oder Pinsel am Unterricht zu partizipieren.

“Wie auch in den letzten Jahren konnte Joseph sich selten intensiv dem Malen widmen.” 10. Klasse

“Joseph verweigerte das Malen sehr konsequent. Es gab wenige Ausnahmen als er überraschender Weise einen Stift oder auch den Pinsel zur Hand nahm und zu arbeiten begann.” 11. Klasse

Mein Verhalten in diesen Unterrichten kam zwar teilweise auch daher, dass ich mir nicht sicher bin, wie sinnvoll es ist, eine bestimmte Stunde am Tag zwanghaft dafür festzulegen Kunst zu erschaffen, der Hauptfaktor war aber einfach, dass ich in den ersten Schuljahren zu oft von Lehrer, aber auch von anderen Schülern, gehört hatte, dass meine Malkünste nicht gerade ausstellungsfähig seien. Ab diesem Punkt war es mir unmöglich nicht unterschwellig solche Kritiken im Hinterkopf zu haben und Gedanken des Versagens zu haben, sowie Angst vor den Meinungen meiner Klassenkameraden und Lehrer über das was ich mit dem Pinsel fabriziert hatte. In allen meinen Zeugnissen steht durchgängig irgendwo, dass mein Schriftbild verbesserungswürdig ist, ich unsauber schreibe, oder es “zu wünschen wäre, dass Joseph an seiner Schrift arbeitet”. All diese Kommentare haben bleibende Eindrücke in mir Hinterlassen, und auch wenn ich meine eigene Handschrift mag und ich noch nie verstanden habe, warum sie irgendeiner “Verschönerung” bedarf, bin ich überaus sensibel, wenn sich Leute meine handschriftlichen Notizen ansehen und sich in irgendeiner Form dazu äußern, selbst wenn es positiv ist, ich kann ihnen nicht glauben.

Geschichten wie diese gibt es unzählige. Warum wird Kunst überhaupt in irgendeinen Wertungsrahmen gepresst?
Ich kann mich daran erinnern, wie wir in der 1. und 2. Klasse gegenseitig immer die Bilder des anderen gelobt haben und das eigene Können hintenan gestellt haben.
“Deins sieht ja gut aus, viel besser als meins!”, “Stimmt ja gar nicht, deins sieht doch total super aus, meins gar nicht so sehr!” waren Konversationen, die wir als Kinder über unsere Bilder geführt haben. Uns wäre zu diesem Zeitpunkt niemals in den Sinn gekommen, das Werk eines anderen zu negieren.
Welchen Sinn hat es überhaupt in Fächern wie Kunst, Musik etc. Noten zu geben, ich meine selbst fürs “Mitmachen”?

Warum müssen Schüler Musen vergewaltigen, anstatt die rechte Zeit abwarten zu können, um sich von ihnen Küssen zu lassen?

http://www.ted.com/talks/lang/de/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html

“Wenn wir Schatten euch beleidigt,
Oh, so glaubt – und wohl verteidigt
Sind wir dann! – ihr alle schier
Habet nur geschlummert hier
Und geschaut in Nachtgeschichten
Eures eignen Hirnes Dichten.
Wollt ihr diesen Kindertant.
Der wie leere Träume schwand,
Liebe Herrn, nicht gar verschmähn,
Sollt ihr bald was Beßres sehn.
Wenn wir bösem Schlangenzischen
Unverdienter Weis’ entwischen,
So verheißt auf Ehre Drill
Bald euch unsres Dankes Zoll;
Ist ein Schelm zu heißen willig,
Wenn dies nicht geschieht, wie billig.
Nun gute Nacht! Das Spiel zu enden,
Begrüßt uns mit gewognen Händen!”